Wahlnachlese

Further SPD Opfer der großen Politik?
Nach dem sehr schlechten Abschneiden bei der Kommunalwahl im März gingen die Further Sozialdemokraten auf Ursachensuche. Sie wollen sich weiterhin einbringen.

Frustration und Enttäuschung über das schlechte Wahlergebnis, aber keineswegs Hoffnungslosigkeit waren der Grundtenor in den Redebeiträgen bei der Wahlnachlese der Further SPDler am vergangenen Donnerstag im Gasthaus Fellner.

Die Ortsvorsitzende und wiedergewählte Stadträtin Silke Schell sprach in ihrer Begrüßung offen über ihren Gemütszustand in den Tagen und Wochen nach der Wahl. Extrem war die Enttäuschung, sie habe „den Kopf in den Sand gesteckt“, wollte auf keinerlei Anfragen reagieren. Mittlerweile gehe es ihr wieder besser und sie sah die Notwendigkeit einer Nachbesprechung, Brachwitz
Es sei klar gewesen, dass es schwer sein werde, die Stimmen des zurückgetretenen Stadtratskollegen Sigi Ehrnböck zu kompensieren. Dennoch rechnete die Ortsvorsitzende wieder mit 2 Sitzen im Stadtrat. Nun habe man den Fraktionsstatus verloren, aber durch die eingegangene Ausschussgemeinschaft bleibt die SPD weiterhin in einigen Ausschüssen vertreten, ohne mit einer Fraktion zusammenarbeiten zu müssen. Zudem wird Silke Schell auch künftig das wichtige Amt der Sozialreferentin ausüben. Sie habe trotz allem das Gefühl, dass der Stadtrat die Zusammenarbeit mit ihr durchaus schätze.
Schell machte deutlich, dass das Wahlprogramm der SPD überzeugt habe. Das sei ihr mehrfach bestätigt worden. Sie wisse nicht, was man hätte anders und besser machen können. Dies bestätigte auch die zweite Vorsitzende und Ko-Kreisvorsitzende Monika Friedl. Sie sah in dem schlechten Ergebnis in der Kommunalwahl eine zunehmende Auswirkung der Bundespolitik, eine ungerechtfertigte Abstrafung auf lokaler Ebene. Dies sei bei früheren Kommunalwahlen weniger der Fall gewesen. Im Schatten einer schlechten Bundespolitik verschwänden die Leistungen und Erfolge der Sozialdemokraten vor Ort. Müsse man denn den Parteinamen künftig mehr „verstecken“, fragte Friedl provokativ.
Wera Müller und Jenifer Dietl sahen die Further SPD als Opfer eines Trends. Aber dennoch, so Dietl, sollte man überlegen, ob man die Liste zukünftig öffnet oder umbenennt. In anderen Kommunen hätten so Sozialdemokraten Mandate gewonnen.

Für den ehemaligen Stadtrat Sigi Ehrnböck war das schlechte Wahlergebnis besonders bitter, weil viele der Kandidatinnen und Kandidaten der SPD-Liste sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für das Gemeinwohl einbrächten. Gerade im Rahmen der Landesgartenschau 2025 wurden von ihnen tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Ohne diesen Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer wäre ein solcher Erfolg für unsere Stadt gar nicht möglich gewesen.
Der Wähler hat dieses Engagement wenig bis gar nicht honoriert. Das Ergebnis werfe eine grundsätzliche Frage auf: Welchen Stellenwert hat ehrenamtliches Engagement heute noch in unserer Gesellschaft? Wer über viele Jahre Verantwortung übernimmt, alte, schwache oder behinderte Menschen betreut, sich in der Arbeiterwohlfahrt engagiert, im Sportverein mitarbeitet oder gewerkschaftlich tätig ist, investiert einen großen Teil seiner Freizeit für andere. Wenn dieses Engagement gesellschaftlich kaum noch wahrgenommen oder gewürdigt wird, hinterlässt das Enttäuschung und Frust.
Auch die Tätigkeit als Stadtrat sei ein wichtiges Ehrenamt. Positiv sei hier, dass sich der Stadtrat verjüngt hat. Entscheidungen für die Zukunft einer Stadt zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und sich oft auch Kritik auszusetzen, geschieht nicht wegen des Geldes – das Sitzungsgeld ist allenfalls symbolisch.
Einen fahlen Beigeschmack hinterlässt aber die Entwicklung nach der Wahl: Inflationär werden Bürgermeistervertreter installiert und nach dem Gießkannenprinzip mit nicht unerheblichen Aufwandsentschädigungen bedacht – noch dazu ausschließlich aus dem eigenen politischen Lager.
Ehrnböck ist sich aber sicher: Die SPD Furth im Wald werde sich auch künftig für soziale Gerechtigkeit, Zusammenhalt und ein lebendiges Ehrenamt einsetzen.
Der Kreisvorsitzende Steve Brachwitz ging in seinem Statement auf die Ergebnisse der Kreistagswahl und die Konsequenzen ein. Den Further Sozialdemokraten machte er Mut, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen. Ein Wahlkampf auf dem Land sei hauptsächlich ein Personenwahlkampf. Die „Galionsfiguren“ vor Ort müsse man zukünftig präsenter darstellen.
Im Anschluss an die Reden wurden die Kandidatinnen und Kandidaten als Zeichen der Anerkennung mit einem kleinen Dankeschön in Form eines Gutscheins überrascht — ein herzliches Zeichen für ihren Einsatz und ihr Engagement im Wahlkampf.