Bericht Chamer Zeitung 10.02.2026
„Soziales Aushängeschild der Stadt“
Wahlkampfauftakt der Further SPD – Wohnkonzept für Späthbräu-Gelände präsentiert
Furth im Wald. (ehs) Mit einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im „Design-Café kuL“ hat die SPD Furth im Wald den offiziellen Start in den Kommunalwahlkampf
2026 eingeläutet – und das in Form eines „gemütlichen Weißwurstfrühstücks in entspannter Atmosphäre“, wie es in der Ankündigung hieß. Tatsächlich folgte neben den Nominierten eine große Anzahl von Interessierten, darunter auch einige Bewerber aus anderen Listen, diesem Angebot und ließen sich im Anschluss die bayerische Spezialität schmecken. Rund zwei Monate vor der Kommunalwahl am 8. März stellte die SPD-Ortsvorsitzende Silke Schell, unterstützt von Stadtratskollegin Jennifer Dietl, das Wahlprogramm sowie die weiteren Kandidaten vor.
Bei der Zusammenstellung der Liste habe man versucht, einen Querschnitt durch die Bevölkerung darzustellen. Bemerkenswert sei auch, so Dietl, dass sich auf der Liste der SPD mehr Frauen als Männer finden. Wünschenswert sei es, dass sich der Frauenanteil auch im künftigen Stadtrat deutlich erhöht. So rief sie vor allem die Wählerinnen auf, dies zu berücksichtigen.
Durch die Vorstellung der Themen der Listenkandidaten zogen sich als roter Faden hauptsächlich soziale Themen. Listenführerin Silke Schell berichtete aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Sozialreferentin. In der vergangenen Wahlperiode galt es, eine große Anzahl von Fällen zu bearbeiten, Hilfe bei Antragstellungen und sozialen Notlagen zu leisten. Die geschah meist im Hintergrund und unter der Verschwiegenheitspflicht.
Rechtsruck entgegenwirken
Das Thema Ehrenamt war immer wieder Thema. Sei es im Rahmen der Gewerkschaftsarbeit wie bei Johann Pohmer und Herbert Breu oder in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung wie bei Monika Ehrnböck und Sibylle Kolbeck. Edeltraud Sander beklagte, dass es immer schwieriger werde, Räumlichkeiten für Seniorentreffs und ihre AWO-Gruppe zu finden. Hier werde wichtige Arbeit geleistet, die die Gesundheit und das Wohlbefinden älterer Menschen fördere. Dass es möglich ist, die Further für das Ehrenamt zu gewinnen, habe die Landesgartenschau bewiesen. Diesen Flow gilt es nun beizubehalten und auch im Sozialbereich zu nutzen. Dazu brauche es ein Raumangebot, aber auch mehr Anerkennung seitens der Stadt, merkte Monika Ehrnböck an.
Die jüngsten Kandidaten auf der Liste sind Nicole Nett (19) und Hannes Schell (18). Sie wollen ein Sprachrohr der Schüler sein und deren Interessen vertreten. Beide beklagten einen Rechtsruck bei Jugendlichen und wollen sich dem entgegenstellen. Für Nett sind auch der Feminismus und die Problematik der KI-Nutzung wichtige Themen. Hannes Schell betonte, dass man sich auf dem Erfolg der Landesgartenschau nicht ausruhen dürfe, es gelte, das Gelände mit Leben und kostenlosen Veranstaltungen, vor allem für Jugendliche, zu füllen.
Ziel: modernes Bad
Einer der wichtigsten Punkte des Wahlprogramms sei das Thema Hallenbad, dem sich Monika Friedl und Jennifer Dietl im Anschluss zuwandten. Für die Further SPD habe eine umfassende energetische Sanierung oder ein bedarfsgerechter Neubau „oberste Priorität“. Ziel sei ein modernes Schwimmbad primär für den Schulsport, die örtlichen Sportvereine und gesundheitsbewusste Bürger, das ökologisch und ökonomisch sinnvoll betrieben werden kann. Wichtig wäre in jedem Fall, dass auch während der Sanierungs- beziehungsweise Neubauphase der Schulschwimmsport gesichert sei, Kinder müssten schwimmen lernen. Die SPD stehe für faire Eintrittspreise, die Familien und Senioren nicht ausschließen. Jennifer Dietl lobte das Engagement der Mitarbeiter im Hallenbad, ohne deren Einsatz und Findigkeit das Bad schon lange hätte schließen müssen. Furth brauche ein Hallenbad, auch bei knapper Haushaltslage. Bei einer Schließung sei es unwahrscheinlich, dass es nach Jahren wieder zum Thema würde. Bei einem hohen Eigenanteil seitens der Stadt sei aber eine baldige Realisierung unwahrscheinlich, wonach man klären müsse, mit welchen Zuschüssen von Bund und Land zu rechnen sei. Die Krux hierbei sei aber, dass der Freistaat eine Kofinanzierung mit dem Bund ausschließe. Alle politischen Gruppierungen machten dies nun im Wahlkampf zum Thema, so Dietl.
Als eine „historische Chance für die Innenstadt“ bezeichnete Silke Schell die Nachnutzung des Späthbräu-Geländes an der Lorenz-Zierl-Straße. Ziel sei eine sinnvolle städtebauliche Entwicklung, die einen Mehrwert für die Bürger schaffe und das Stadtbild nachhaltig aufwerte. Die SPD forciere ein Wohnkonzept „Alte Brauerei“. Hier soll ein barrierefreies, generationsübergreifendes Wohnmodell mit Quartiercharakter verwirklicht werden. Die Vorstellungen der SPD basieren auf einem Konzept des Planungsbüros Yellow Z, das dem Stadtrat bereits 2021 vorgelegt worden war und in der Folge wieder in der Schublade verschwand. In einer kleinen Bildershow veranschaulichte die SPD-Vorsitzende die Vorstellungen der Planer und der SPD. Man bevorzuge eine kleinteilige Bebauung mit einer Mischnutzung, gruppiert um einen Hofraum für gemeinschaftliche Aktivitäten. Eine nüchterne Wohnblockbebauung lehne die SPD ab. Was hier entstehen soll, müsse „mehr sein, als nur wohnen“. Eine Zusammenarbeit mit der Wohnungsbau-Genossenschaft wäre denkbar, da es zurzeit hohe Förderquoten im sozialen Wohnungsbau gebe. Als Alternative würden sich die SPD-Stadträte für ein „Bürgerzentrum“ an dieser Stelle einsetzen, ein Ort für Vereine, Kultur und Jugendarbeit. Denkbar wäre auch, dass die Drachenstichspielschar endlich eine Aufenthalts- und Umkleidemöglichkeit finde.
Angebote für Senioren
Als Sozialreferentin hat sich Schell in den vergangenen Jahren aktiv für die Förderung von Nachbarschaftshilfen und Angeboten für Senioren eingesetzt, um ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bis ins hohe Alter zu sichern. Das Modell der sogenannten „Gemeindeschwester“, das gerade in Waldmünchen umgesetzt wird, würde sich die SPD auch in Furth im Wald wünschen. Wo das Ehrenamt im sozialen Bereich an Grenzen stößt, könne die Gemeindeschwester übernehmen.
„Warum braucht’s die SPD im Stadtrat?“, fragte Johann Pohmer. Die soziale Kompetenz der SPD sei vor allem hier gefragt. Sie schaue auf die Menschen, auch wenn es manchmal unbequem sei. Überproportional vertreten sei die Christlich Soziale Union über ihre Mitglieder auf den sogenannten Umlandlisten. Die SPD sei das „soziale Aushängeschild“ der Stadt und des Umlandes. In ihrem Schlusswort bedankte sich Silke Schell für die gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und den Mitgliedern des Stadtrats. Dies wünsche sie sich auch für die nächsten sechs Jahre. Denn es habe sich gezeigt, was mit Zusammenhalt alles erreicht werden könne.